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Enger September

Ein viel zu voller September von dem ein Plakat, ein neues Beratungsformat, eine Bescheinigung als Sanitäterin und ein neuer Mitarbeiter zurückbleiben werden. Für den Rest des Jahres nichts mehr auf den eh schon gut gefülltem Kalender packen, aber -jaja- schnell noch „Rom“ vielleicht. Nach der Wahl dann das Unwohlsein bezüglich dieser Entscheidung.

Jede/r projiziert in die Prosteste im Iran das hinein, was ihm/ihr am nächsten ist. Für mich ist es die Tishreen-Revolution im Irak 2019. Die Toten, die wochenlange bizarre Gewalt. Tränengasgranaten werden direkt in die Köpfe der Menschen geschossen. Das Internet immer wieder abgeschaltet, viel zu wenig Reaktionen in den Medien. Wochenlange Versuche zumindest auf Twitter eine Öffentlchkeit herzustellen. Ich habe die Videos der rauchenden Köpfe gesehen. Etwas ist kaputt gegangen damals, was nicht repariert werden kann.

Was deprimiert: Der unterschwellige Gedanke, nein, die Überzeugung, dass auch dieser Protest scheitern wird. Das ist nicht gut.

Meditiere seit langer Zeit mal wieder regelmäßig, ruhiger und fokussierter deshalb. Die irrwitzige Wut, die den Sommer immer wieder mein Begleiter war, reduziert sich auf ein erträgliches Maß. S. und A. sprachen mich schon darauf an: Meine ständigen Konfrontationen wären nicht zielführend. Im Grunde sind es Distanzierungstechniken: Ich kann die Wut auf einen Tisch neben mich legen und anschauen. Das erste was sie ausspuckte war eine Liste an Tritten, begonnen bei der Tishreen-Revolution bis heute. Mal sehen, was noch kommt.

Handfestes und Wärmendes: Theorie mit 35/35 richtigen Fragen bestanden, zwei Szenarien (Nesselverbrennung/Bauchverletzung) und Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Guedel- und Larynxtubus bestanden. Jetzt offiziell Sanitäterin. Es gilt also die Freistellung bei Aufgaben der Gefahrenabwehr und der Nothilfe. Mir privat eine Beatmungsmaske und ein manuelles Blutdruckmessgerät zugelegt. Im Einsatz wird nur manuell gemessen, was man üben muss. Es lärmt um einen herum und das „klackern“ des Blutdruckes ist nicht leicht zu hören. Die Beatmungsmaske habe ich lieber, weil ich auf direkte Mund-zu-Mund-Beatmung während Corona gut verzichten kann (und eigentlich auch sonst immer).

Von der Grünzeugfront gibt es wenig Neues: Gewachsen ist eine Platterbse aus Samen. Für Setzknoblauch bin ich zu spät, der Gärtner empfiehlt mir einfach Knollen aus dem Supermarkt. Ich setze acht Zehen sowohl gespannt als auch skeptisch. Die Chili-Pflanzen, die ich letztes Jahr aus einfachen Samen der Supermarkt-Schoten gezogen habe sind eher kümmerlich.

Zuletzt: Mein Arabisch-Konversations-Kurs entfällt wegen Teilnehmermangel, va bene perché posso imparare di più l’italiano. لكني أيضا أحب اللغة العربية كثيرا

Dürre-Gang

Beschlossen, das 9-Euro-Ticket für einige After-Work-Wanderungen zu nutzen. In der Bude hocken und Bücher lesen kann ich auch im Winter. Nach den langen Phasen des Homeoffice mag ich auch nicht allzu viel zu Hause sein. Ich starte mit der Eifel-Strecke, die nach der Flut bis Kyllburg für den Zug wieder befahrbar ist. Als ich in Daufenbach aussteige, sagen mir zwei ansässige Hippies, dass die Fußgängerbrücke nach Kordel noch nicht wiederhergestellt sei, ich könne aber über die Eisenbahnbrücke laufen, sie würden das auch immer machen. Dafür bin ich zu feige und fahre eine Station zurück und laufe dann von Kordel an der Mariengrotte vorbei Richtung Butzenbachtal. Als ich dort ankomme wird es schon dunkel und ich setze mich nur noch 15 Minuten auf eine Bank, lausche der Stille und blicke auf ein Feld von drüsigem Springkraut, das hier wie überall vor sich hin wuchert.

Am nächsten Tag von Pfalzel an der Mosel Richtung Trier. Die Route ist nicht gut gewählt, weil um diese Tageszeit so gut wie schattenlos. Ich bin erstaunt wie viel Kraft die Sonne um 18 Uhr noch hat. Ich muss an einzelnen schattigen Plätzen, die ich auftreiben kann, jeweils pausieren. Ich habe nur einen halben Liter Wasser und keine Kopfbedeckung. Einen Teil des Wassers verteile ich auf Arme und Hals, wenigstens etwas Verdunstungskälte. Ein junger Mann läuft in etwas Abstand vor mir, ansonsten nur Radfahrer, die den Fahrtwind genießen. Ich teste das erste Mal eine Wander-App: Outdooractive. Gefällt mir ganz gut.

Am Abend mit K. über die Eindrücke der Dürre geschrieben. Weiß gar nicht wie man mit anderen darüber reden soll, damit es nicht nur anekdotisch ist, schreibt er.

Die Wälder in der Eifel sind streckenweise sehr angegriffen. Der Rhein bei Koblenz ggf. nicht mehr befahrbar. Die Winzer sagen, wenn es im August keinen Regen gibt, dann ist die Ernte für dieses Jahr hin. Der Baum auf meinen Straßenbeet hat braune Blätter. Seit Wochen brennt es täglich um Trier, die Feuerwehren leisten immenses. Ich halte mich daran fest, dass es nächstes Jahr besser sein wird. Was sollte ich auch sonst machen? Wer kann schon fassen, dass wir uns tatsächlich selbst beim Verdunsten zusehen? Und: Nach 300.000 Jahren Mensch lande _ausgerechnet_ich_ in dem Aussterbens-Zeitspalt.

Am Schreibtisch: Die Zoom-Lizenz gekündigt. Überlegungen,, was gespart werden kann, um die Energiepresierhöhung im Winter abzufangen. Ich war nie gut im Umgang mit Geld, hatte noch nie einen Überblick. Habe das Konto allerdings auch noch nie überzogen. Andere haben aufwendige Aufstellungen.

Zwischendurch das Attentat auf Rushdie. Die Statanischen Verse aufs Kindle geladen, anstrengend zu lesen, aber auch unterhaltsam. Niemand Offizielles kritisiert den Iran, vielleicht möchte man noch Geschäfte mache. Fast zeitgleich ein völlig merkbefreites Meinungsstück in der TAZ bei der die Autorin allen ernstes behauptetet, der Prostest von Iranerinnen gegen den Hijab sei eigentlich nur Ausdruck westlicher Ideologien. Dieses Framing muss man erst einmal hinbekommen, angesichts der Tatsache, dass die Aktivistinnen ihre Unversehrtheit aufs Spiel setzen und natürlich im Knast landen können.

Sonntag dann von Kasel nach Tarforst. Das Ruwertal ist kälter und feuchter als der Rest der Gegend und somit noch hinreichend grün.

Auf der anderen Seite auf der Anhöhe ein wunderbarer Blick über Tarforst. Ruhe auch, das Leben hält die Klappe. Hier allerdings wieder verstärkte Trockenheit. Ich komme nicht damit klar, dass ganze Bäume vertrocknen und es sind nicht einmal junge.

Zu Hause dann Fotos sortiert. Schon 2593 dieses Jahr. Auch hierbei fällt mir auf, wie warm es schon im Januar war, ich habe gegen Ende schon die ersten Blumen raus gesetzt. Und das waren keine Krokusse.

Fuerteventura-Notizen

Fetthenne
  • Die Biographie von Angela Merkel ist genauso zäh wie ihre Regierungszeit
  • M. wurschtelt sich seit 27 Jahren durch. Reiseleiterin, Sprechstundenhilfe, Übersetzerin, Kosmetikverkäuferin. Während Corona hat sie sich ihre Rente auszahlen lassen und auf den Kopf gehauen. Diese Ruhe hätte ich nicht.
  • Ich kann nicht glauben, dass M2 geschieden ist. Hätte immer gedacht, er ist so ein Familienmensch. Und mit mir war ja nicht viel mit Familie.
  • Runterfahren: Schlaf stellt sich schnell ein, die Alpträume brauchen 2 Tage bis sie weg sind.
  • Diät kann man auch ablehnen. Seit einem bestimmten Alter (wann war das?) brauche ich immer eine Woche im Jahr einen Abhängurlaub mit Vollversorgung. Ist mir egal, ob das spießig ist.
  • Aloe Vera funktioniert wirklich bei Sonnenbrand
  • Mir fehlt der Wind so in Trier. Überhaupt: Jetzt fährt man im Sommer auf die Kanaren, weil es da so schön kühl ist. M. sagt, sie freut sich, wenn mal kein Wind da ist.
  • Es ist schwer hier soziale Netzwerke aufzubauen, sagt M. Die mesiten bleiben nicht auf Dauer.

Sommerkämpfe

Im Kampf mit der Trockenheit Samen für Natternkopf bestellt und ein Buch mit dem passenden Titel Garten ohne Gießen. In Wahrheit steckt dahinter die heimliche Hoffnung, dass, wenn ich das Beet nächstes Jahr wüstentauglich mache, der Sommer verregnet wird.

Erstmals Bekanntschaft mit Brennhaaren einer Raupe gemacht, der Ausschlag am Oberschenke sieht interessant aus. Für den Eichelprozessspinner ist es eigentlich zu spät, es könnte ein Widderchen gewesen sein. Der daraus entstehende Schmetterling ist wunderschön, also vergebe ich.

(Edit: Rausgefunden, dass die Raupen des Eichelprozessionsspinners doch bis Juli unterwegs sein können).

Foto: Ivar Leidus, CCBYSA 4.0

Samstag.

Noch vor dem Frühstück über „Schönheit“ nachgedacht. Die Menschen sind zu dick, zu dünn, zu größ, zu klein, zu alt und mittlerweile alle in der Ich-mag-mich-so-wie-ich-bin-Haltung. Was mich daran irritiert, ist die tatsächliche Fixierung auf die Körperlichkeit und nicht auf die Handlungen und Haltungen, die damit verbunden sind. Sich schminken, zum Friseur gehen, sich zurechtmachen. Die auch gar nicht zwangsweise auf einen anderen ausgerichtet sein müssen, sondern eine Form sind, sich selbst Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe nicht immer Lust dazu, würde sie aber nicht missen wollen. Ich schaue auch gerne Menschen in alten Filmen oder Fotografien an, die gut gekleidet sind. Sie nehmen sich und die Öffentlichkeit ernst.

Diese Woche herausgefunden, dass ich zu den oberen 10% der Einkommensverteilung gehöre. Dabei habe ich nicht einmal etwas „sinnvolles“ studiert. Bisschen schlechtes Gewissen dabei. So viele wurschteln sich jetzt durch, von denen ich denke, dass sie viel begabter sind als ich. Erinnerungen an das Gepräch mit D. im Frühjahr, über die intellektuellen Bekannten, die sie jetzt komisch anguckten, weil sie als Kindergärtnerin arbeitet.

Morgen Mitgliederversammlung von Verdi. Ich war noch nie auf einer Gewerkschaftsversammlung, auch lange überhaupt nicht in der Gewerkschaft, weil mir das staubig und antiquiert vorkam. In diesen Zeiten nun mehr als glücklich über die Entscheidung- Man wird es noch brauchen können. Auch mit der eigenen Personalratsarbeit zufrieden. 13 Höhergruppierungen dieses Jahr durchgesetzt. Das ist gut.

Die Bäckersfrau beschwert sich, dass das Straßenbeet qua Trockenheit gar nicht so bunt ist, wie in den letzten Jahren. Die Setzlinge entwickeln sich im Gegensatz zum Balkon auch kaum, nur kümmerliche Mini-Petunien, Mini-Zinnien, Mini-Astern. So fahre ich ins Gartencenter und besorge Sonnenhut, den mit der Dienstag hoffentlich nicht wegbrennen wird.

Der erste Bildungsurlaub

Gebloggt: Eigentlich hätte das mein Geburtstagsgeschenk letztes Jahr an mich selbst sein sollen, wurde aber wegen Corona abgesagt, deshalb nun. Ich möchte natürlich an die Küste, Wangerooge. Das Antragsverfahren war problemlos, was nicht bei allen Arbeitgebern so zu sein scheint, wie ich von anderen Teilnehmenden erfahre. Hamburg war 1974 das erste Bundesland, dass Bildungsfreistellung eingeführt hat, lerne ich bei meinen Recherchen. Bayern und Sachsen haben es immer noch nicht.

Im Vorfeld der Reise sehr unsicher, ob ich als Einzelkämpferin so lange Zeit mit vielen Menschen verbringen kann. Aber die Gruppe ist sehr entspannt. Wer was machen will, der macht was, wer sich abseilen will, tut eben dies, ohne große Diskussionen. Trotzdem am Ende der Woche sehr platt von so viel Menschen und dem sehr strammen Programm. Ich lerne etwas über die Enstehung der Küste durch die Eiszeiten, die historische Entwicklung Wangerooges mit Verlagerung der Insel nach Osten, den Aufbau des Wattes, den Deichbau und die aktuellen Aufschüttungsmaßnahmen, über Flora und Fauna und wie Pflanzen mit dem Salz umgehen, über Vogelzug, gestrandete Pottwale, ich beobachte selbst Vögel, wandere durchs Watt und sammele Muscheln, bestauene den Wattwurn, beobachte Nachts die Lichter von Leuchttürmen und Bojen. Und diskutiere aktuelle politische Entwicklungen auf der Insel und perspektivische Entwicklung selbiger. Vieles muss ich abends noch einmal nachlesen, zum Beispiel das Schicksal des Knutts. Da ich nicht schon genug Interessen habe, gleich ein Fernglas bestellt, um vom Balkon aus noch besser Vögel stalken zu können. Ich erstehe auch ein Vogelbestimmungsbuch, die dazugehörige App versorgt mich mit Vogelstimmen. Fazit: Sehr anstrengend, aber auch sehr schön.

Und sehr großen Respekt vor S., (tolle Frau), die seit 20 jahren auf der Insel lebt und das Nationalparkhaus verwaltet in dem die Veranstaltung stattfand, mit all den Problemen, die damit verbunden sind. Für so einen Lebensweg muss man sich eben auch entscheiden. Und Respekt vor all dem Wissen, dass sich da angesammelt hat und auch wie gut didaktisch das alles aufbereitet ist. Überhaupt: eine Passion haben. Ich habe mich ja eher so durchgewurschelt und nach und nach herausgefunden, was ich will und kann. Auch wenn ich am Ende schon richtig gelandet bin.

Jetzt gruselt es mich ein wenig davor, wieder in das „normal“ zurück zu müssen. Viele Kampfbaustellen an dem anderen Ende der Republik gerade.

Im März

Zwei volle Wochenenden von 9-17 Uhr mit der Sanitätsausbildung verbracht. Dann stolze Beseitzerin eines SAN-A-Scheins (Sanitätshelferin). Ich hatte vor der praktischen Prüfung Angst, theoretische Inhalte verinnerlichen ist ja doch Tagesgeschäft. Die ganze Zeit über sehr viel Respekt vor der Sauerstofflasche, ein neben mir liegender Gefahrenstoff. Die praktische Prüfung bestand im ersten Teil aus einer Herz-Lungen-Wiederbelebung mit angelegtem Guedeltubus, Beatmungsbeutel und angeschlossener Sauerstofflasche. Man arbeitete in Zweierteams. Der zweite Teil der Prüfung war ein zugelostes Fallbeispiel, in unserem Fall einem Mann, der sich einen Schraubenzieher durch die Hand gestochen hatte. Notruf absetzen, Schraubenzieher mit Verbänden stabilisieren, dass er nicht wackeln kann und Hand ruhig stellen (Niemals etwas aus dem Patienten rausziehen , ggf. Verblutungsgefahr bei beschädigten größere Aterien oder Venen oder gesplitterte Knochen werden weiter verteilt etc. – macht dümmstenfalls alles schlimmer => Sache des Krankenhauses,) beruhigen und Verletzung so abdecken, dass er es nicht sieht, sitzend angelehnt aufrecht lagern (kippt ggf. um, wenn ohnmächtig vor Schmerz), Lebensfunktionen regelmäßig kontrollieren. Verbände sind ja mein Lieblingsthema, insofern ging das gut.

Am Montag davor Frau Hotel Mama und ihr Fahrrad an der Porta Nigra getroffen (Sie berichete davon). Es ist schweinekalt und hätte ich das gewusst, hätte ich doch fleißig geputzt und einen guten Kaffe serviert. Jetzt muss es eben so gehen. Man hat sich viel zu erzählen und das Gespräch schläft nicht ein, es passst also. Wir schauen das, was man in Trier so schaut: Dom, Liebfrauenkriche, Viehmarkttherme, Palastgarten und die Kaisertherme. Mein Trier ist tatsächlich am ehesten mein Straßenbett, das ich ihr zum Schluss zeige. Es gibt noch nicht viel zu sehen, es friert in den Nächten noch zu doll. Aber heute habe ich ein paar Hornveilchen gepflanzt. Auf der Fensterbank in den Vorziehtöpfen machen sich die Petunien und Malven gut, aber die Zinnien wollen nicht.

Im Schwarzwald

Es regnet aus Eimern, aber die Gästekarte ermöglicht es einem im ganzen Schwarzwald den Nahverkehr zu nutzen, sogar bis Basel, und ich war ja noch nie in der Schweiz (Sowieso scheint der Nahverkehr hier sehr menschenfreundlich zu sein, Besitzer einer Zeitkarte (z.B. Jobticket) können in den Sommerferien ebenfalls in ganz Baden-Württemberg herumfahren). Meine Leseliste richtet sich nach dem, was mir begegnet: Indisches Springkraut, Sonnenblumen(felder) und roter Sandstein (das Rathaus in Basel). Das indische Springkraut wird auch Bauernorchidee genannt und tatsächlich muss ich als erstes an Orchideen denken, als es mir am Wegesrand begegnet. Es stammt vom indischen Subkontinent, wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze hier eingebürgert und bildet nun ein Neophyt, der als invasive Art vielfach bekämpft wird. Tatsächlich wuchert es an allen Ecken und Enden, ist aber sehr schön.

Während der Zugfahrt nach Basel fahre ich an vielen Sonnenblumenfeldern vorbei. Ihre Samen wurden 1552 von spanischen Seefahrern nach Europa gebracht. Ich lerne, dass diese sehr viel Kohlendioxid binden, eine große Pflanze bindet pro Tag das in einem Raum von 100 Kubikmetern vorhandene Kohlendioxid. Sie haben ihr maximales Wachstum bei einer Temperatur von 20 Grad, was erklärt, dass meine in diesen Jahr, in dem der Sommer mehr ein Herbst ist, so spärlich wachsen. Darüber hinaus richten sie sich nach der Sonne und nach Mittag aus, sind also Kompasspflanzen (andere Kompasspflanzen drehen sich bewusst von der Sonne weg, um nicht zu verbrennen). Diese Sonnenanbetung nennt sich Heliotropismus.

In Basel selbst beeindruckt mich vor allem das Rathaus, das aus rotem Sandstein gebaut wurde. Trotz Dauerregen leuchtet es intensiv im Stadtbild. Ich vermute, dass es sich um roten Mainsandstein handelt, der in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg vorkommt. Recherchen ergeben, dass es sich um Wiesentaler (Schopfheim) Sandstein handelt und der Mainsandstein nur zum Flicken verwendet wurde. Sandstein ist ein Sedimentgestein, dass zumindest aus 50% Sandkörnern besteht. Er besteht also aus Kleinsttrümmern verwitterter und abgetragener Gesteine und entsteht durch Verkittung. „Durch den Auflastdruck der jüngeren, überlagernden Ablagerungen sowie durch Ausfällung von Mineralen, die im Meer- oder Grundwasser gelöst sind, oft auch durch die im Sandstein selbst enthaltenen Minerale kommt es zur Verfestigung (Diagenese) des Sandes. Dieser Prozess läuft unterschiedlich schnell ab und dauert zwischen wenigen Jahrzehnten und mehreren Millionen Jahren.

Was sich bei dem nassem Wetter sehr bewährt hat: Ein zusammenfaltbarer Wasserkocher und ein zusammenfaltbarer Becher für den Tee zwischendurch. Was für ein August.

Frankfurt

Der Mensch braucht Rituale und ich chinesischen Dumplings von Aunt Zongs Noodle Bar am Frankfurter Hauptbahnhof. Dauerhafte Frankfurt-Erinerungen: Die erste Wikimania 2005, die Zeit als P. hier ihr Referendariat gemacht hat & ich öfter „kurz“ für’s Wochenende von Hamburg nach Frankfurt fuhr, unsere Besuche im Palmengarten, die hausgemachte Limonade bei Die-Kuh-die-lacht. Später dann Offenbach, die Dachterase in dem Haus von R. Und eben chinesischen Dumplings. Ich mag sie am liebsten gekocht, es gibt sie aber auch dedämpft, fritiert oder gebraten. Die Herstellung ist denkbar einfach, der Teig besteht nur aus Mehl, heißem Wasser und Salz. Und Dumplings und Empanadas brachten mich auf die Teigrolle, die 10 Mal besser ist als ein Nudelholz.

Frankfurt: Presroi, Kellerkind and Zenogantner preparing the welcome desk at Wikimania 2005. Photo: Dirk Ingo Franke CCBYSA 2.0

Die Flutkatastrophe sitzt mir im Nacken und ich habe zu wenig geschlafen, aber wegfahren hilft für Abstand. Ein paar Mal notiere ich die Tage „Ich wil einen Liebhaber und ans Meer fahren.“, weil mir alles zu viel ist. Praktischweise kann man auch ohne Liebhaber nach Frankfurt fahren, es wäre mir auch zu viel, jetzt noch einen auftreiben zu müssen. Im Palmengarten soll der Titanenwurz blühen, lese ich auf der Hinfahrt. Also muss ich dort hin. Ein bisschen erschreckt mich, dass er nach Aas riechen und Wärme produzieren soll – damit er Käfer anlockt, die für seine Bestäubung sorgen. Der Palmegarten feiert darüber hinaus sein 150jähriges Jubiläum (Er wurde seinerzeit aus tropischen Baum- und Pflanzenbestände der Orangerie von Schloss Biebrich gegründet).

Titanenwurz im Frankfurter Palmengarten

Am nächsten Tag angekommen, nehme ich den Geruch vor allem als süßlich wahr. Ich habe keine Ahnung wie Aas riecht. Ich war schon mehrere Male in der Pathologie, aber Menschenleichen riechen deutlich strenger und sind vom Geruch her kaum zu ertragen. Besonders beeindrucken mich anschließend vor dem Tropengewächshaus diw Nelumbo nucifera, die indische Lotusblume. Ich hatte mir Lotusblumen wie Seerosen immer wassernah vorgestellt, aber die Blüten ragen auf Stengeln weit aus dem Wasser heraus. Wunderschön und seltsam die Lotussamenkapseln, die wie Duschbrausen aussehen.

Indische Lotusblume