Autumn is coming / Gloomy sunday

I had raclette for dinner. I’m wearing a warm sweater and I’m starting to write letters and watch films on Netflix again. Autumn is coming. As if winter had long fingers and their tips were already brushing you here and there, you can’t really tell yet whether it was a touch or just imagination. Much too early and we all waited so longingly for this summer, the summer after the lockdown, which wasn’t a real summer at all. I’m not really through this lockdown sleepiness, at the same time I’m so hungry for life it hurts. Who wiill wake me up?

I create activities for myself in order not to remain in melancholy: drawing, learning Arabic song lyrics. But the activities seem to me to be vain and self-referential, since they arise only from my own curiosity and have no external goal. Like it’s a crime to have intellectual needs.

Right now I have trouble imagining the beauty of autumn, the storms outside, the warmth inside, with books and tea and cookies and peace. Maybe I had too much of all of this last year and that’s why I no longer look for it. And I also push away a lot. Push away what this pandemic means in the long term and that it will no longer be the same as it was before. Sometimes I still dream of long journeys on which I discover many things, but in reality I don’t feel comfortable while traveling at all even inside Germany. And I will miss people. I’ve never had problems being alone, but the long period of self-isolation has created some kind of break, it suddenly has a hardship for me that it didn’t have before. And the isolation phase will soon begin again. Even if there will no longer be an official lockdown, it is better to be careful if you are not completely stupid.

Köln hier & da

Auf dem Rückweg vom Meer eine Nacht in Köln verbracht, im Motel One, an das ich seit der WikiCon 2014 angenehme Erinnerungen habe. Ich mag den Innenhof mit den Backsteinbauten und den über alles wachsenden Pflanzen. Am nächsten Tag treffe ich Edmond Goncourt, den ich seit vielen Jahren eher mit einem halben Auge verfolge und der mir vor allem durch seinen eigenweltlichen Blick beim Fotografieren aufgefallen ist, denn seine Texte habe ich nie wirklich gelesen. – Wie schräg das ist, wie man sich selbst im Vorfeld gleich raus sortiert. Immer noch. (Das ist zu abgehoben, das verstehst Du eh nicht usw.). Dabei sind sie eigentlich ganz schön, die Texte. Merke ich… jetzt. – Das Arbeiterkind in mir steht dann auch nervös in der Bahnhofshalle: Ob denn mein bildungsbürgerliches Know How für Smalltalk reichen wird? Ich habe Glück und der echte Goncourt ist geerdet genug, um mich zu entspannen und gebildet genug, um nicht zu langweilen. Sowieso: Was für ein wunderbarer Mensch. Zu Hause merke ich, dass mich seine (wieder) Text-Existenz irgendwie stört. Wäre lieber einfach weiter geschlendert, so plaudernd und schauend und nicht wissend, wo genau ich eigentlich bin. Dafür gibt mir die Unterhaltung einen Ruck, doch noch einen Baum für O. über Kölner Grün pflanzen zu lassen, etwas, das ich schon seit 1 1/2 Jahren plane und immer wieder aufschiebe, natürlich auch wegen der Kosten. Aber wenn Menschen wie Goncourt viel Geld für totes Holz ausgeben können, kann ich das doch auch für lebendiges, oder? (Argumentiere ich mit mir selbst).

[Break: Das erste, das ich sehe als ich die Arbeits-E-Mails öffne: Mein Lieblings-A., der Hausmeister, ist tot, nicht mal 60.]

Heute: E. und R. sind mit Wohnmobil ein paar Tage von Ehrenfeld nach Trier gekommen. Letztes Jahr waren beide mein erster Besuch nach dem Frühjahrs-Lockdown, sehr dankbar dafür. Dieses Jahr waren beide die ersten, die ich seit Monaten umarme, wieder sehr dankbar. Es stellt sich raus, dass sie auf der Flucht vor den Wirren der letzten Monate sind, welche sich über den Tisch eines thailändischen Imbiss vor mir ausbreiten. Irgendwo muss der Kram ja hin. Misstrauisch beäugen sie die Zukunft, „was-denn-da-jetzt-noch-kommt“. Nix, sage ich, ab jetzt wird alles besser. Und seltsamerweise fühlt es sich für mich tatsächlich auch so an. Ich rede noch was von SelfCare, weiß aber jetzt schon, dass E. sich nicht dran hält. Was die beiden auszeichnet: Sie sind die einzigsten meiner Bekannten, die die Trierer Stadtwerke besichtigt haben, um die Architektur zu fotografieren. Und Mariahof. Eben doch die besseren Touristen. Kommt bald wieder.

Pictures & Short stories 1

I started a little game with the Fabulous Android last week: Every day a picture an a short story with 280 Twitter letters. Here a his:

Story 1 Story 2Story 3Story 4Story 5Story 6Story 7

And now mine….

In the evening we sat at the table and again you talked about leaving. And I held your hand and so passed an evening, a night and another day, and again you talked about leaving. Many evenings. And I changed the tablecloth and I changed expectations and we’re still sitting there.

I actually wanted a decent job. Merchant, baker, tailor. At sea I especially loved the smell of salt and that the eye could see far. Paris ruined everything. 1856. Our brothers were the Wassergeusen and the old Francis Drake. We had beards. We had a black flag. We had deep waters

Turn off the love songs. Take off your clothes. The sand at the bottom is fine, your toes feel leaves. Sure there are fish. The cold water. No people. You can hear the street if you are very attentive. Is there room for two people? There is room for your rest.

Let him go! Put the knife down … put it down! Harry? Selma? No! …he .. for God’s sake! Move to the side ..to the side. Selma call the police! The Police! .. ok .. you can do that .. put it down .. take it easy my friend .. take it easy. What ??? Selma! NO !!

So this is what parting feels like. This time it was different. The rejection was different. In spring she was alone for 25 years & she knew that she would not try again. That was it. And even at the end of summer she hadn’t got used to it.

Neighbours:Ms. E. & Ms. T., are at war with each other. Yesterday Ms. T. put drawing pins in front of Ms. E.’s cellar door & destroyed her bicycle tires.Whenever I meet either of them, they try to include me in their war. I wonder if I’ll be this lonely one day.

But he has really big feet, so big feet. There would be problems if I didn’t finish by tomorrow. He’s been hanging around my shop all week. What does he want? I only used the finest leather so that there would be no problems. See you tomorrow morning. Alright

Behind the fog lives a little woman who has 300 pairs of shoes, disheveled hair, old envelopes, has ugly thoughts, has a best friend, has red lips, has chicken soup, has a bedside lamp, over there behind the fog.

Im Schwarzwald

Es regnet aus Eimern, aber die Gästekarte ermöglicht es einem im ganzen Schwarzwald den Nahverkehr zu nutzen, sogar bis Basel, und ich war ja noch nie in der Schweiz (Sowieso scheint der Nahverkehr hier sehr menschenfreundlich zu sein, Besitzer einer Zeitkarte (z.B. Jobticket) können in den Sommerferien ebenfalls in ganz Baden-Württemberg herumfahren). Meine Leseliste richtet sich nach dem, was mir begegnet: Indisches Springkraut, Sonnenblumen(felder) und roter Sandstein (das Rathaus in Basel). Das indische Springkraut wird auch Bauernorchidee genannt und tatsächlich muss ich als erstes an Orchideen denken, als es mir am Wegesrand begegnet. Es stammt vom indischen Subkontinent, wurde im 19. Jahrhundert als Zierpflanze hier eingebürgert und bildet nun ein Neophyt, der als invasive Art vielfach bekämpft wird. Tatsächlich wuchert es an allen Ecken und Enden, ist aber sehr schön.

Während der Zugfahrt nach Basel fahre ich an vielen Sonnenblumenfeldern vorbei. Ihre Samen wurden 1552 von spanischen Seefahrern nach Europa gebracht. Ich lerne, dass diese sehr viel Kohlendioxid binden, eine große Pflanze bindet pro Tag das in einem Raum von 100 Kubikmetern vorhandene Kohlendioxid. Sie haben ihr maximales Wachstum bei einer Temperatur von 20 Grad, was erklärt, dass meine in diesen Jahr, in dem der Sommer mehr ein Herbst ist, so spärlich wachsen. Darüber hinaus richten sie sich nach der Sonne und nach Mittag aus, sind also Kompasspflanzen (andere Kompasspflanzen drehen sich bewusst von der Sonne weg, um nicht zu verbrennen). Diese Sonnenanbetung nennt sich Heliotropismus.

In Basel selbst beeindruckt mich vor allem das Rathaus, das aus rotem Sandstein gebaut wurde. Trotz Dauerregen leuchtet es intensiv im Stadtbild. Ich vermute, dass es sich um roten Mainsandstein handelt, der in Bayern, Hessen und Baden-Württemberg vorkommt. Recherchen ergeben, dass es sich um Wiesentaler (Schopfheim) Sandstein handelt und der Mainsandstein nur zum Flicken verwendet wurde. Sandstein ist ein Sedimentgestein, dass zumindest aus 50% Sandkörnern besteht. Er besteht also aus Kleinsttrümmern verwitterter und abgetragener Gesteine und entsteht durch Verkittung. „Durch den Auflastdruck der jüngeren, überlagernden Ablagerungen sowie durch Ausfällung von Mineralen, die im Meer- oder Grundwasser gelöst sind, oft auch durch die im Sandstein selbst enthaltenen Minerale kommt es zur Verfestigung (Diagenese) des Sandes. Dieser Prozess läuft unterschiedlich schnell ab und dauert zwischen wenigen Jahrzehnten und mehreren Millionen Jahren.

Was sich bei dem nassem Wetter sehr bewährt hat: Ein zusammenfaltbarer Wasserkocher und ein zusammenfaltbarer Becher für den Tee zwischendurch. Was für ein August.