Archiv der Kategorie: politik

Der kleine Knoblauch

Lächerlich winzig sind die Knollen des Knoblauchs, den ich im Oktober gepflanzt habe. Doch sie schön und schmecken hoffentlich auch.

Seit 10 Tagen steht die Futterstation für die Krähen nach nachbarlichen Auseinandersetzungen im Straßenbeet und hat dort Gottes Segen, jedenfalls hat sie bisher niemand geklaut.

Vor beginnender Urlaubszeit noch ein Treffen mit Bruder X. Wir haben uns auf einen Modus von offenen Fragen und Diskussion von Texten verständigt. Meine Fragen sind diesmal:

  1. Wo ist das lege in ora et labora (et lege) geblieben?
  2. Wie kommt der Unterschied von 73 und 66 Büchern zwischen katholischen und evangelischen Bibeln zustande?
  3. Hat jeder Mensch eine Berufung, auch die in Flüchtlingslagern?
  4. Warum isst man Oblaten bei der Eucharistie und kein ungesäuertes Brot?
  5. Ich dachte Messwein wäre rot – wieso ist der oft weiß?
  6. Warum gibt es manchmal ein oder zwei Ewige Lichte?
  7. Muss man den Rosenkranz nach Vorschrift beten oder kann man ihn einfach so als Gebetskette nehmen?
  8. Wie ist das Verhältnis von Führung und Eigenverantwortung?
  9. Die Trinidentinische Messe ist vom Ritusablauf ja eigentlich ganz nett, hatte es also politische Gründe, sie wieder ganz zu verbieten?

Weiter in „Einführung in das Christentum“ gelesen. Ich tue mich immer noch mit Ratzingers schwarz-weiß denken schwer, an einer Stelle behauptet er ensthaft, christliche Mystik wäre kein Christentum (Hallo, Eremiten?). Werde ihn aber fertig lesen.

Beim Arbeitgeber angefragt, ob ich nächsten Sommer 2 Monate unbezahlten Urlaub haben kann, ich möchte gern zur Seemannsmission in Hamburg oder irgendwo anders Basisarbeit machen. Könnte mir auch Obdachlosenarbeit bei den Kapuziner in Frankfurt oder den Franziskanern in Berlin vorstellen. Meine Chefin hat es nicht grundsätzlich abgelehnt, aber die gesamte Hochschulleitung muss zustimmen. Das sehe ich noch nicht.

Heute nochmal brav zur Urne gelatscht, Stichwahl der Ortsvorsteher. Zur Europawahl war ich Briefwahlunterlagen auszählen. Eine schöne Schicht von 12 Uhr mittags bis 0:30 Uhr in der Nacht. Am nächsten morgen gedacht, dass ich das nicht wieder mache. Aber ich glaube: eigentlich ,vermutlich, – doch.

Der Dauerregen verführt mich zu einer Sünde und ich buche doch noch eine Flugreise; Fuerteventura im November. M. freut sich, dass sie Besuch bekommt, sie wanderte vor 30 Jahren dorthin aus. So lange kennen wir uns jetzt schon. Und ich schulde ihr noch ein Essen.

(Druck)Abfall

Nach dem Druckabfall mental sehr schlecht. Wie immer. Gedanken an all die Ecken in denen ich sinnlose Kämpfe führe. Und mit welcher Energie immer. Und alleine. Immer. Am Ende für die Katz. Ist mir die Welt, ich nice-to-have. Wertlosigkeit.

Du weißt, dass das nicht stimmt.
Ja.
You must be your own keeper and create yourself a home.
Ja.

In der Außenwelt wird gerade die AFD normalisiert. Natur-Draußen, ohne Menschen, geht.

Ein neuer Ring, Silber, oxidiert. Bekenne Dich zu dieser Stadt, die immer noch nicht Heimat ist. Vielleicht hilft das. Papiere auf dem Tisch zeigen wer beschissen wird und wer nicht. Warten auf Geld, warten auf Zusagen, warten auf Antwort. Das (glückliche) Leben der anderen.

Du weißt, dass das nicht stimmt.
Ja.
You must be your own keeper and create yourself a home.
Ja.

Im Kino Oppenheimer. Die Bombe ist wieder in der Popularkultur angekommen – das kann kein Zufall sein? Cillian Murphy wunderbar und immer noch sehr schön. Wie er mit Florence Pugh, die seine Geliebte spielt, nackt zusammensitzt. Und sie auch. Sehr sinnlich. (Edit: Die Szene wurde in mehreren Ländern zensiert, las ich gerade). Alte Ängste kriechen hoch. Die Bombe zündet. Natürlich gibt es einen Gegenspieler: Strauss. Ich habe keine Ahnung warum, aber ich muss an Mozart und Salieri denken. Strauss wird ähnlich eifersüchtig und intrigant insziniert (und war es vielleicht auch, ich muss die Original-Biografien erst lesen).

Was die Tage (wieder) alles über Körper und Sexualmoral abgehandelt wird. Plötzlich ist BDSM wieder ein Thema – das war seit den 90ern nicht mehr so? Die einen entdecken an dem Rammstein-Skandal, dass es Praktiken gibt, die andere Menschen erniedrigen. Also nicht nur der nicht vorhandene Konsens ist Thema, sondern die Praktiken selbst, oder sie werden nicht als solche verstanden. (Generell ein interessanter Fall, da da unterschiedliche Machteben zusammenfallen, diese Komplexität hat die öffentliche Debatte aber nicht, generell hat sie sich verselbstständigt). Auf der anderen Seite hyperventiliert sich’s, weil auf dem CSD Fetisch-Leute rumlaufen. Dass tun sie zwar schon seit 20 Jahren, aber was lässt sich nicht alles dramatisieren? Ist Trans auserzählt? Oder wird es der Einfachheit halber da mit reingerechnet? Liberaler wird die Außenwelt jedenfalls nicht.

Ich könnte eine lange Liste dessen machen, was alles fehlt. Ich sollte eine lange Liste dessen machen, was da ist.

甘茶 Hydrangea macrophylla var. thunbergii und ein Menschenfeind

S. bringt mir eine japanische Tee-Hortensie. Ihre Blätter sind sehr süß, mehr als Zucker, sagt sie. Man kann die Blätter fermertieren oder nur so einen Tee daraus kochen. Er muss lange ziehen, so 20 Minuten. Ich kannte die Pflanze bis jetzt nur als Zierpflanze, die Blütenstände sind wunderbar, weiß und lila. Auf dem Balkon sind die Kornblumen durch, ins Straßenbeet setze ich noch einmal Ziersalbei und ein paar Disteln.

Frustriert und gefühlt einsam diese Tage. Die AFD liegt mittlerweile bei 20%, die Gespräche darüber ziehen mich eher runter. Viel Gejammer und Schuldzuweisungen an die anderen, wenig Kampfgeist. Die Linken geben der Mitte die Schuld, die Mitte gibt den Linken die Schuld, wie gut, dass niemand irgendetwas ändern muss. Und man hätte ja, aber die anderen… Thomas Krüger, der Chef der Bundeszentrale für Politische Bildung sagt: Eine Demokratie ohne aktive Demokratinnen und Demokraten – das geht eben nicht. Man kann sie nicht nur an Berufspolitiker delegieren, Natürlich haben nicht alle die gleichen Ressourcen, was Kraft und Zeit angeht, aber wenn jeder die Woche nur ein bis zwei Stunden in politisches oder zivilgeselschaftliches Engagement investieren würde, wäre schon vieles besser. Das muss nichts zwangsweise eine Partei sein. Maile mit M. und trete ihm auf die Füße, er verspricht das auf einer seiner nächsten Lesungen zu thematisieren. Immerhin. Viel Ekel vor den Alt-Linken, die schon seit Ewigkeiten nichts mehr machen wollen. Noch mehr Ekel vor den gut ausgebildeten Akademikerinnen und Akademikern, die es besser wissen könnten und die oft bessere Ausganslagen haben, was Ressourcen angeht. Die aber außer Arbeiten und Privatisieren nichts machen wollen. Ekel auch vor Jenen, die außer Aufregungen auf Twitter nichts zustande bringen und denken, das wäre politische Arbeit. Auch immer weniger Lust, Zeit mit solchen Leuten zu verbringen. Ich bin kein Menschenfreund zurzeit, fürchte ich. Und privat ist auch nichts, was mich wärmen würde.

(Edit: Was mich diese Woche schockierte: Elisabeth wurde von iranischen Milizen im Irak entführt)