Narrenschelle

Ich habe die Narrenschelle angelegt: Mir zur Erinnerung und den anderen zur Warnung. Ich gehe allen auf die Nerven. Und mir auch. Die Kekse gingen nach Rom, das war der bessere Teil der Woche. Consegnata.

Streit mit A. darüber, dass sie für die Verbesserungen ihrer Situation auch eintreten muss. Sie will nicht. Schmollt und trotzt und wird emotional. Weil sie nur einen befristeten Vertrag hat, sagt sie. Aber das stimmt so nicht oder nicht nur. Sie scheut Konfrontationen. Ich habe lange befristet gearbeitet und trotzdem den Mund aufgemacht. Soweit es eben möglich war. Meine Wut macht hässliche Gedanken: Sie, die alles bis zur Promotíon von Papi und Mami nachgetragen bekommen hat und jetzt in Konsequenz in kompletter Unselbstständigkeit lebt. Vergegenwärtige mir, was ich an ihr habe. Viele strukturelle Unsicherheiten zur Zeit (wechselnder Chef, ggf. scheidende Kollegin). Immer noch die vorhandenen Pandemie + unschönen Auseinandersetzungen. Über allem liegt eine Spannung, die sich jeden Moment entladen kann und das auch immer häufiger tut.

Verbiete mir jetzt auch das Träumen. So geht man Enttäuschungen aus dem Weg, bilde ich mir ein. Hinzu der Trotz, dass sich doch real etwas verbessern müsse. Nur manchmal macht mir im Gedanken morgens heimlich einer Frühstück .

Diese Woche auch: Das erste Mal Kino nach 2 Jahren. Man wird mit Codes durchgeschleust, wie man jetzt überall durchgeschleust wird. Niemand trinkt im Foyer Wein. Ich lasse die FFP-2-Maske auf, auch wenn das nicht gefordert ist. Ein wenig schummele ich, indem ich Limo und Chips kaufe und unter die Maske schiebe. Aber Kino mit gar nichts kann ich mir nicht vorstellen. Ich hoffte, Bond würde mich mit der alten Zeit verbinden, aber auch hier nur Differenz.

Maps and index cards

The train stopped in Koblenz for half an hour and in Hamburg I am thrown from the subway because a madman is threatening the citizens and the police with a knife.

Before family obligations stoped me, I visited the Museum am Rothenbaum. There is an exhibition on cartography and color. After months of staring at the chronoscope, the real maps overwhelmed me.

The five Chinese phases, wuxing, have been incorporated into a Korean map. Red is the south, the west is white, black is the north, green is the east and yellow is the center.

I spend a long time in front of a pictorial map of Wutaishan, a Buddhist pilgrimage site about 350 km from Beijing. The pictorial maps are my favorite anyway, I could look at them for hours.

I learned that iron gall ink was made of iron and oak galls that are caused by chemicals injected by the larva of certain kinds of gall wasps.

In an adjoining room there is an exhibition about the women who worked in the museum at the beginning of the 20th century and who inventoried and drawn the museum pieces. Little biographical information and personal testimonies have been received from the women, but many have attended the arts and crafts school in Hamburg.

Henriette „Henny“ Wagener

Initially, from 1905, a male research assistant was entrusted with the inventory of the objects, but was replaced by female technical assistants from 1907. They earned 100 marks a month, which was half the pay of a male research assistant. The Hamburg Museum was the first in Germany to employ women as assistants. A draftswoman created index cards for 1,500 objects on average each year.

Frankfurt

Der Mensch braucht Rituale und ich chinesischen Dumplings von Aunt Zongs Noodle Bar am Frankfurter Hauptbahnhof. Dauerhafte Frankfurt-Erinerungen: Die erste Wikimania 2005, die Zeit als P. hier ihr Referendariat gemacht hat & ich öfter „kurz“ für’s Wochenende von Hamburg nach Frankfurt fuhr, unsere Besuche im Palmengarten, die hausgemachte Limonade bei Die-Kuh-die-lacht. Später dann Offenbach, die Dachterase in dem Haus von R. Und eben chinesischen Dumplings. Ich mag sie am liebsten gekocht, es gibt sie aber auch dedämpft, fritiert oder gebraten. Die Herstellung ist denkbar einfach, der Teig besteht nur aus Mehl, heißem Wasser und Salz. Und Dumplings und Empanadas brachten mich auf die Teigrolle, die 10 Mal besser ist als ein Nudelholz.

Frankfurt: Presroi, Kellerkind and Zenogantner preparing the welcome desk at Wikimania 2005. Photo: Dirk Ingo Franke CCBYSA 2.0

Die Flutkatastrophe sitzt mir im Nacken und ich habe zu wenig geschlafen, aber wegfahren hilft für Abstand. Ein paar Mal notiere ich die Tage „Ich wil einen Liebhaber und ans Meer fahren.“, weil mir alles zu viel ist. Praktischweise kann man auch ohne Liebhaber nach Frankfurt fahren, es wäre mir auch zu viel, jetzt noch einen auftreiben zu müssen. Im Palmengarten soll der Titanenwurz blühen, lese ich auf der Hinfahrt. Also muss ich dort hin. Ein bisschen erschreckt mich, dass er nach Aas riechen und Wärme produzieren soll – damit er Käfer anlockt, die für seine Bestäubung sorgen. Der Palmegarten feiert darüber hinaus sein 150jähriges Jubiläum (Er wurde seinerzeit aus tropischen Baum- und Pflanzenbestände der Orangerie von Schloss Biebrich gegründet).

Titanenwurz im Frankfurter Palmengarten

Am nächsten Tag angekommen, nehme ich den Geruch vor allem als süßlich wahr. Ich habe keine Ahnung wie Aas riecht. Ich war schon mehrere Male in der Pathologie, aber Menschenleichen riechen deutlich strenger und sind vom Geruch her kaum zu ertragen. Besonders beeindrucken mich anschließend vor dem Tropengewächshaus diw Nelumbo nucifera, die indische Lotusblume. Ich hatte mir Lotusblumen wie Seerosen immer wassernah vorgestellt, aber die Blüten ragen auf Stengeln weit aus dem Wasser heraus. Wunderschön und seltsam die Lotussamenkapseln, die wie Duschbrausen aussehen.

Indische Lotusblume

Cochem

View from the brige

Cochem is a typical tourist village on the Moselle. Known for wine (like all the villages here) and the imperial castle, which was first mentioned in written sources in 1130. It’s 45 minutes from my apartment, so it’s perfect for a weekend getaway. The village has narrow streets and is relatively crowded this weekend, so I also wear an FFP2 mask outdoors. The guest house’s wife says it is the first weekend when tourists come again as usual. Last year there were a lot of tourists in the summer, but this year many are trying to go abroad. The Dutch are also missing, who have high corona numbers again and have to be quarantined here for 14 days – which nobody wants. This region is a typical region for Dutch tourists as it is the mountains that are closest. In return, people here go to Netherlands because it is the sea that is closest. In addition, people avoid the train, most of them come by car, she tells me.

Activities that are done here: hiking, buying wine, visiting the imperial castle, riding the chairlift, boat tours, general shopping, eating and drinking, visiting a historic mustard mill and buying mustard. Many motorcyclists also drive the route along the Moselle and stay for one night.

Chairlift

I was too conceited to take the chairlift, so I hiked to the summit cross on foot, but it was very steep and it took me almost an hour. On the way back I walked another path that ended behind the train station and there were almost no people on it, very pleasant.

A little drawing

In the afternoon I made a little sketch on the bank of the river. I have made up my mind to draw more again, but who knows if that will work. I just have too many interests, which has been annoying me for several months because I feel like I’m only halfway through with everything.

20 Jahre Antville

Ich glaube, was im Rückblick tatsächlich auffällt, ist, dass ich viele, die ich damals gelesen habe, heute immer noch lese. Man liest sich. Immer noch. Man hat sich ein halbes Leben lang gelesen. Ich habe mehr Alt-Blogger, denen ich auf Twitter folge als Wikipedianer, obwohl ich dort jahrelang extrem aktiv war. 

Ich kam zum dem, was man heute Bloggen nennt durch ein Seminar über Selbstzeugnisse an der Uni und ich recherchierte zu Online-Tagebüchern. In einem anderen Seminar stritt ich mich mit dem Professor darüber, ob ich auf seinem Lernmanagement-System (damals neu und der heiße Scheiß) eigene Texte publizieren dürfe. Ich durfte nicht und so kaufte ich mir ein Buch und lernte eine Beschreibungssprache: HTML. Und so kam ich zu meinem eigenes erstes Online-Tagebuch. Ich hatte zu Hause keine Internetverbindung, fuhr also eine halbe Stunde U-Bahn, um via FTP etwas in die Umlaufbahn zu pusten. Dann entdeckte ich Webringe. Und damit meinen ersten Blogger, der damals noch gar kein Blogger war: Bov Berg.

Wie genau ich zu Antville kam, weiß ich gar nicht mehr. Der Name meines Blogs kam von meiner damaligen Arbeitsstätte, die im Souterrain lag: Kellerkind, Bogenallee 11. Kebo11. Irgendwann zog ich auf eine eigene Domain, da aber auf Antville alles ziemlich locker war, überließ ich mein Blog einfach Herrn Prisac, der da eine Weile weiter schrieb. 

Woran ich mich erinnere: An den Selbstmord von blue und Praschls langen Text hinterher. Der ewige anödende Streit, was ein Weblog nun sein sollte und wozu es zu gebrauchen wäre. Und Godanys schöner Satz dazu: „Was ein Weblog ist, ist mir eigentlich wurscht, dies ist jedenfalls meins“. Blogmich05 und die CD von Kris, die ich immer noch habe. Und KerLeone las vor und ich las auch vor. Die Großkopferten lasen natürlich auch vor, Hammerschmitt und so. Und da saß ich dann mit der stattkatze auf einer Decke auf dem Fußboden und war hinterher mit Ronsens und Jens Scholz in irgendeinem Berliner Laden, soweit ich weiß.  

Persönlich mochte ich an den Blogs die (oft) langsamen Gespräche, die sich über Tage hinzogen. Einer schrieb etwas, der erste Kommentar vielleicht eine Stunde später, weitere stiegen ein, wieder eine zeitlang später, das zog sich dann so die ganze Nacht, manchmal über Tage. Überhaupt, dass man Texte redigieren kann. Und über einen längeren Zeitraum schreibt. Obwohl es natürlich auch die schnellen Dinger gab (die wären heute Schneckenlauf). Und vielleicht war man auch einfach nur jung: Neue Menschen waren interessant, neue Themen waren interessant und das ganze Ding war neu und man wusste nicht in welche Richtung es läuft. Man war Pionier und man war die Generation, die diese Digitalisierung kennzeichnete und die sie voran trieb.

Irgendwann verschwanden immer mehr Blogger Richtung Twitter, ich meldete mich auch an, ließ den Account aber 9 Jahre lang liegen. Es war nicht mein Ding. Hektisch und fragmentiert, mit unerträglichen Aufregungswellen. Mittlerweile habe ich dort auch Kurztexte schätzen gelernt, wenn der/die Poster gute Erzähler*innen sind. Und Menschen verbandeln sich da immer noch, wie sollte es auch anders sein.

Antville erinnert mich vor allem an eine bestimmte Zeit, in der das Netz noch unverbraucht war (oder man es im Nachhinein so schönredet). Dafür: Danke, Antville, will always remember you!

Photographs and Hannah Arendt

On the banks of the Rhine, photographer Till Eitel exhibits his street photography of Paris in public spaces. Disturbing: a sign indicates that in May all pictures of same-sex couples, people of color and non-Christian religions were stolen. The police are investigating. The Rhine has a lot of eddies, as a lifeguard I can see that, but signs warn against swimming.

At the Bundeskunsthalle I see an exhibition about the philosopher Hannah Arendt, which is refreshing because it is actually based on the intellectual works of Arendt and is less biographically structured. I am particularly interested in the work about the Jewess Rahel Varnhagen, whom I was not familiar with. I am familiar with Arendt mainly because of her work Vita Activa and I am sympathetic because of the emphasis on practical work and the relationship to the public. Of course, I am also familiar with the work on the Eichmann process.

What I love very much about Bonn and which I haven’t noticed so far: The many small flower shops. Trier is more characterized by two large garden centers, Lambert and Dehner. In Bonn there are small shops selling flowers and plants in many corners, as well as stalls in the squares.

Wasser & Seife

Als die Pandemie neu war, wusch ich mir zu viel die Hände und meine Haut kaputt. Mosul Eye schimpfte und sagte, ich dürfe nur gute Seife verwenden: Aleppo-Seife. Ich hatte noch nie davon gehört. Ich nahm an, dass ich sie in Deutschland sowieso nicht bekomme und vergaß das Ganze. Bis ich vorgestern wieder auf einen Seifen-Tweet stieß. Und siehe da: Man kann sie bei Amazon bestellen. Zuweilen findet man sie auch auf Weihnachtsmärkten, riet mir eine syrische Freundin.

Aleppo-Seife

Die Seife besteht aus Olivenöl und Lorbeeren und wird traditionell zwischen November und März produziert und zwar auf folgende Weise, wie Wikipedia weiß:

Über Bodenkesseln auf offenem Feuer wird Olivenöl bis zu drei Tage unter häufigem Rühren auf etwa 200 ° Celsius gesiedet. Zur Verseifung werden schrittweise Wasser und Soda-Asche zugeführt. Dabei wird das Olivenöl in Glyzerin und Natriumsalz aufgespalten. Kurz vor dem völligen Aussalzen wird das Lorbeeröl hinzugegeben, dessen Anteil üblicherweise zwischen zwei und 40 Prozent, selten bis 60 Prozent der Ölmenge variiert

Die Seife ist quasi geruchlos und schäumt nur leicht, aber man merkt sofort wie ölig sie ist. Die Haut trocknet tatsächlich wenig aus.

Freibad Mertesdorf

Erst Seife, dann Wasser: Großes Glück bereitete mir die erste Schwimmrunde in diesem Jahr. Mein Hausbad wird renoviert, also fuhr ich ins Umland. Die ersten Bahnen lassen mich meinen Wal-Zustand mehr wahrnehmen als mir lieb ist, aber nach 30 Minuten tun die Muskeln so weh wie sie weh tun sollen. Wale sind vermutlich ganz gute Schwimmer, fällt mir beim Tippen auf, freundlich auch, jedenfalls lässt man Touristen mit ihnen schwimmen. Freundlich sind auch die Menschen um mich herum. Überall so eine Erleichterung doch wieder ein Stück im Leben zu sein.

Life in Germany: The Botanical Garden of Hamburg

The botanical garden of Hamburg is part of the university and is a scientific collection for teaching and research tasks of the biological institute. It was renamed Loki-Schmidt-Garten in 2012, after the wife of the former Federal Chancellor Helmut Schmidt. Both were heavy smokers and at the 2013 International Garden Show I smoked a cigarette in memory of her, but I stopped smoking quite a while ago. The first botanical garden of Hamburg was opened in 1821 and was located on the ramparts. The tropical greenhouses are still located there today. In 1973, as part of the former International Garden Show, it was decided to move the garden to its current location to the western part of the city. In the entrance area there is a sculpture called „Adam plunders his paradise“.

The first and oldest botanical garden in the world, which is still in its original location in, is the Padua Botanical Garden called Orto Botanico di Padova. It was founded in 1545. Other early botanical gardens were founded in Pisa by Luca Ghini in 1544, as well as in Florence (1545) and Bologna (1568).

In order to enter the botanical garden of Hamburg you have to book a time slot – as everywhere at the moment – and wear a mask. The garden is divided into three areas: plant systematics, plant geography and plant and man. I am particularly interested in the poisonous plants and I have to think of Curare and how it is shot with arrows. It creates a Apnea. I was surprised that many of them were yellow in color, like Greater Celandine (Schöllkraut), Golden Rain (Goldregen) und Welsh Poppy (Wald-Scheinmohn). The celandine in particular is a weed that is widespread in Germany. I didn’t recognized the Welsh Poppy before but it seems to be widespread as well.

It quickly becomes clear that there are far too many plants in the 25 acres to delve into all of them. You have to visit the garden several times and can only devote yourself to a few plants at a time. This time I was particularly fascinated by the Brazilian Giant Rhubarb (Mammutblatt). The plant grows up to three meters high and I can stand under it perfectly. It doesn’t seem to like living here, however, because in winter it has to be protected from freezing with leaves or brushwood outdoors in Central Europe. Originally, the plant grows in the cool and humid regions of southern Brazil, where it occurs in bog and marshland, on rocky streams or at the edge of water.

Like many botanical gardens and parks, this one also has a Japanese Garden. I learned that there are differences between Japanese and Chinese gardens: in Chinese gardens there is a house in the middle. They should be viewed from the inside of the house, whereas Japanese gardens should be viewed from the outside. Above that Chinese gardens were inspired by Chinese inland landscapes, particularly Chinese lakes and mountains, while Japanese gardens often use miniaturized scenery from the Japanese coast.