Archiv der Kategorie: life in germany

Nichts tun

Samstage an denen ich nichts mache oder: Was ich mache, wenn ich mal „nichts“ mache, because of „What a week, uh!“. Zum Bäcker & Schlachter, Küchenschrank aufräumen, surfen, Karten zeichnen, Fotobuch 2022 abholen, Ohrringe shoppen, Nägel lackieren, Haare waschen, The Makani auf Netflix schauen, Vikings auf Netflix schauen, Rückentraining online machen, Tagebuch schreiben, Kochen, Bloggen, Italienisch üben.


(Habe jetzt einen Online-Rückenkurs bei der Krankenkasse gebucht. Die wollen natürlich vor allem Daten sammeln (Wie oft in der Woche machen Sie noch Sport?), aber der Rücken merkt sofort, dass das sehr gut ist. Schwimmen reicht offensichtlich nicht).

Morgen ein Twitter-Blind-Date mit R. Freue mich. Er ist neu in der Stadt und kam der Arbeit wegen nach Trier (so wie ich). Er forscht zu „Rhetorikrelevante Muster von Karikaturen in Satirezeitschriften des 19. Jahrhunderts“. Bin sehr gespannt. Später dann ein Online-Treffen mit Frau Mama, der italienischen Konversation halber. Ich müsste noch ein bisschen lernen, um nicht ganz deppert dazustehen (Das Italienische verlässt mein Gehirn sobald der Unterricht vorbei ist.)

Holterdipolter in 2023

Die Nacht über schwere Durchfälle, die wohl auf die luftgetrockneten italiensichen Nudeln zurückzuführen sind (?). Trinke schwarzen Tee, esse Banane, reibe einen Apfel, später noch eine Gemüsebrühe. Außer Einkaufen passiert heute nicht mehr viel, denke ich.

Das Jahr beginnt holperig und verpeilt. Kaufe eine Bahnfahrkarte für in zwei Wochen auf das aktuelle Datum & kann natürlich nicht mehr kostenfrei stornieren. Die bestellten BH’s bei Amazon bestelle ich etliche Nummern zu klein. Ich lerne, dass man den Kram in jeder Postfiliale einfach unverpackt wieder abgeben kann, wenn man einen QR-Code von Amazon mitbringt. Die packen das dann ein und senden es an Amazon zurück. Die neue Blumenvase lasse ich prompt 10 Meter nach dem Verlassen des Geschäftes mit der Tasche fallen. Der junge Verkäufer ist lieb, als ich trostlos schauend das nächste Exemplar an die Kasse schleppe: „Wir tun einfach so, als wäre die Vase hier im Geschäft kaputt gegangen und ich schreibe das dann ab.

Die neue Vase

„Ich wüsste gar nicht, was ich da drin habe„, sagt A. am Telefon, als ich von der gestohlenen Brieftasche erzähle. Und ich merke, dass mir das auch so geht. Einiges habe ich komplett verdrängt, zum Beispiel den Organspendeausweis. Also ab in die Apotheke, da ist ja schon der neue. Diese ganzen kleinteiligen Dinge, die mich die Woche über beschägtig haben.

Spende auch Du deine Organe

Italien hängt mir noch nach. Irgendwie ist es niedlich wie der aktuelle Papst das Angelus immer mit „buon pranzo e arrivederci“ beendet (Gutes Mittagessen und Auf Wiedersehen!). Jetzt auf dem Reisezettel: Aachen, Hamburg, München. Aachen hat ein ganz wunderbares Jugendstilbad, das ich unbedingt erschwimmen muss. Und den Dom, natürlich. Ich erinnere mich auch an ein gutes, türkisches Restaurant in dem ich vor Jahren mal war. Das Müller’sches Volksbad in München ist natürlich auch großartig, da war ich 2018. Die botanischen Gärten und der Schlosspark Nymphenburg sind im Februar vielleicht etwas karg, möchte ich aber trotzdem sehen. Oder Herr Rmr geht mit mir in die Beckmann-Ausstellung (er weiß nur noch nix davon). Aufbruch und Reise passen ja ganz gut.

Ich müsste noch putzen für den Besuch morgen, aber das geht sicher auch noch morgen. Jetzt erst mal Gemüsebrühe.

Halber Oktober.

Die Herbst-Handlungen: Briefe und Karten schreiben (und zeichnen), Bücher lesen, Serien auf Netflix schauen, Kürbis kaufen, ein Gulasch kochen, Liedtexte von Fairouz auswendig lernen. Ich schreibe einen längeren Brief an M. und realisiere, in was für einer Mausradbewegung ich mich eigentlich befinde. Ausdünnen also. So weit das möglich wäre: An den Wochenenden noch eine Sanitätsübung, ein Erste-Hilfe-Kurs, ein Besuch in Hamburg.

An einem Freitagabend stolpere ich per Zufall über Tank 9 – ein Industrial Dancer und Youtuber, der offensichtlich irgendwann komplett von der Bildfläche verschwunden ist. Ich hatte ihn schon vergessen. Noch nach Jahren laden irgendwelche Leute seine Videos hoch. Irgendwann schreibe ich eine Hommage an alle, die das Netz mit ihrem Scheiß wunderbar machen. Trotz alledem. And to hell with the silcence we are living in.

Traurige Musik-Nachrichten: Die Auflösung von Mashrou Leila. Die Band hat mich gut 10 Jahre begleitet. Sie war der Sound des Arabischen Frühlings. Die Morddrohungen gegen die Band (auch gegen das Publilum), Corona, die Bankenkrise im Libanon. Die beiden letzten Konzerte, die ich besucht habe, waren Mashrou Leila Konzerte. Einmal Heidelberg, einmal Köln. Ich war mir so sicher die Band noch einma zu sehen. Zwei Wochen später stirbt dann Ahmed al Shaiba bei einem Autounfall in New York. Er war ein bekannter Oud-Spieler in der amerkanischen Jemeniten-Community. Im August hatte er sein erstes Album veröffentlicht.

Telefonieren, WhattsApp-Nachrichten schreiben. Die Mutter erinnert sich nicht, was sie letzte Woche noch wollte, bei Bruder und Schwägerin ist immer alles schwierig. Ich soll das alles koordinieren (oder mache es, weil sonst nichts zustande kommt), 600km weiter weg.

Habitustransformationen: Was ich machte, als ich entfristet wurde: 1. Mich in den Personalrat wählen lassen (Yalla Klassenkampf!) & 2. ehrenamtlich Sanitäterin werden. Was man mir häufig übel nimmt, ist nicht die Herkunft aus bildungsfernen Schichten, sondern die Weigerung, das zu kaschieren. Also das doch zumindest mit Scham zu behandeln.

25 Jahre später: Natürlich hat er zugenommen, ist älter geworden. Wir treffen uns am Schanzenbahnhof, obwohl wir beide uns hier gar nicht mehr auskennen. Mir kommt seine Sprache seltsam vor, als würde er irgendwie nuscheln. Ich mag nicht fragen, ob er etwas hat, ein Gebiss vielleicht. Eineinhalb Stunden später sagt er: Ich hatte letztes Jahr einen Schlaganfall. Es sei nicht so wie alle immer sagen, man würde es gar nicht merken. Er hätte einen lauten Knall in seinem Kopf gehört, dann hätte er sich übergeben. Zum Glück waren die Kinder da, er kam schnell ins Krankenhaus. So nah sind diese Dinge jetzt also. Danke, dass Du an mich gedacht hast, sagt er später, als wir am Schlump auseinander gehen. Die Begegnung hängt mir noch nach.

Am nächsten Tag Familie dann: Ich habe ein schlechtes Gewissen, was meine Ungeduld betrifft. Und dass ich mehr für sie Liebe haben sollte. Sie hatte sicher auch keine Lust meine Windeln zu wechseln. Aber alte Menschen und kleine Kinder strengen mich an. Und sie ist eben auch in Vielem schwierig und verklärt ihre Kompliziertheit als Eigenständigkeit. Und ihre Negativität kostet mich bei jedem Treffen Kraft. Mein Bruder ist schlecht, meine Schwägerin ist schlecht, ihr Lebensgefährte ist schlecht, der Urlaub war schlecht, I. ist schlecht und S. sowieso (undsoweiterundsoweiter). Zum Schluss schon lustlos die Fahrkarte für die nächste Runde gebucht. Wieder denken: Ich sollte froh sein, wenn ich sie überhaupt nochmal lebend sehe.

Schönes und Entspannendes: Ein Hörbuch auf Youtube von einem Menschen, dem ich per Zufall auf einem Kongress über den Weg lief. Spannende Geschichte, die sich selbst nicht überernst nimmt. Ich komme noch immer nicht über den wildgewordenen Elefanten hinweg :D. Seltsame Begegnung sowieso: Auf dem Kongress erst gedacht: Gute Güte, was ist das denn für ein blöder Schönling? Google sagt mir dann: Achso, der ist gar nicht blöd. Wie funktioniere ich eigentlich? Spannendes zu Lern- und Lernbiographien auch. Biographieforschung hat mich ja schon immer interessiert und Lernen sowieso. Jaja, schon gut,ich tue Buße…

Enger September

Ein viel zu voller September von dem ein Plakat, ein neues Beratungsformat, eine Bescheinigung als Sanitäterin und ein neuer Mitarbeiter zurückbleiben werden. Für den Rest des Jahres nichts mehr auf den eh schon gut gefülltem Kalender packen, aber -jaja- schnell noch „Rom“ vielleicht. Nach der Wahl der Faschisten dann das Unwohlsein bezüglich dieser Entscheidung.

Jede/r projiziert in die Prosteste im Iran das hinein, was ihm/ihr am nächsten ist. Für mich ist es die Tishreen-Revolution im Irak 2019. Die Toten, die wochenlange bizarre Gewalt. Tränengasgranaten werden direkt in die Köpfe der Menschen geschossen. Das Internet immer wieder abgeschaltet, viel zu wenig Reaktionen in den Medien. Wochenlange Versuche zumindest auf Twitter eine Öffentlchkeit herzustellen. Ich habe die Videos der rauchenden Köpfe gesehen. Etwas ist kaputt gegangen damals, was nicht repariert werden kann.

Was deprimiert: Der unterschwellige Gedanke, dass auch dieser Protest scheitern wird. Das ist nicht gut.

Meditiere seit langer Zeit mal wieder regelmäßig, ruhiger und fokussierter deshalb. Die irrwitzige Wut, die den Sommer immer wieder mein Begleiter war, reduziert sich auf ein erträgliches Maß. S. und A. sprachen mich schon darauf an: Meine ständigen Konfrontationen wären nicht zielführend. Im Grunde sind es Distanzierungstechniken: Ich kann die Wut auf einen Tisch neben mich legen und anschauen. Das erste was sie ausspuckte war eine Liste an Tritten, begonnen bei der Tishreen-Revolution bis heute. Mal sehen, was noch kommt.

Handfestes und Wärmendes: Theorie mit 35/35 richtigen Fragen bestanden, zwei Szenarien (Nesselverbrennung/Bauchverletzung) und Herz-Lungen-Wiederbelebung mit Guedel- und Larynxtubus bestanden. Jetzt offiziell Sanitäterin. Es gilt also die Freistellung bei Aufgaben der Gefahrenabwehr und der Nothilfe. Mir privat eine Beatmungsmaske und ein manuelles Blutdruckmessgerät zugelegt. Im Einsatz wird nur manuell gemessen, was man üben muss. Es lärmt um einen herum und das „klackern“ des Blutdruckes ist nicht leicht zu hören. Die Beatmungsmaske habe ich lieber, weil ich auf direkte Mund-zu-Mund-Beatmung während Corona gut verzichten kann (und eigentlich auch sonst immer).

Von der Grünzeugfront gibt es wenig Neues: Gewachsen ist eine Platterbse aus Samen. Für Setzknoblauch bin ich zu spät, der Gärtner empfiehlt mir einfach Knollen aus dem Supermarkt. Ich setze acht Zehen, sowohl gespannt als auch skeptisch. Die Chili-Pflanzen, die ich letztes Jahr aus einfachen Samen der Supermarkt-Schoten gezogen habe sind eher kümmerlich.

Zuletzt: Mein Arabisch-Konversations-Kurs entfällt wegen Teilnehmermangel, va bene perché posso imparare di più l’italiano. لكني أيضا أحب اللغة العربية كثيرا

Sound of the city

Ab Münster gibt es so etwas wie grün, dass das Herz erleichtert, die abgestorbene Vegetation in Trier hat mich emotional belastet. Auch spürt man Natur hier ja eh nicht so, da es eine Großstadt ist.

Treffen mit J. im Park. Die Leichtigkeit mit der wir Gespäche führen und die Leichtigkeit mit der wir aneinander anknüpfen können, auch nach längerer Zeit der Abwesenheit, die ist sehr wohltuend. Sie wirkt sehr müde, der Job als Kindergärtnerin, 2 Corona-Infektionen kurz nacheinander, sie ist jetzt Mitte 50. Die Kirchenleitung sagt, sie könne ruhig mal eine Kur machen, aber ihr Pflichtbewusstsein schafft das nicht. Ich rede auf sie ein, sehe aber, dass das sinnlos ist.

Am nächsten Tag die andere J., J2. zur Mittagspause. Ebenfalls Mitte 50, voller Tatendrang: Lässt sich gerade scheiden, hat mit ihrem neuen Freund ein Haus in Südfrankreich gekauft, für sich selbst aus dem Scheidungsgeld + Kredit ebenfalls ein kleines in Billstedt. Eine Anlage soll es ein, damit die Söhne später etwas haben. 30 Jahre mit einem sehr gut verdienenden Ingenieur verheiratet, immer auf hohem Standard gelebt, Häuser, teure Reisen.

Die Klassenunterschiede der J’s. Lieben tue ich beide.

Wir reden über Prioritäten für diesen Winter, denn auch wir werden uns einschränken müssen. J2 ist mir sehr ähnlich, sie liebt Reisen und Sprachen. Ich könnte eher auf das Heizen von Zimmern verzichten als auf das Herumfahren.

Am Abend Spaziergang am Hafen.

Dienstag Abend dann Bruder und Schwägerin. Familiengeschichten, die Sorge um die Mutter. Auch hier keine Pläne bezüglich politischer Aktivitäten im Herbst, es ist sehr deprimierend. Erstaunen auch darüber, in den letzten Wochen zu viele Gespräche mit Menschen gehabt zu haben, die ich als erheblich politischer einschätze als mich selbst: Alle demotiviert, alle kein Plan. Mir selbst Grundlagen der Geopolitik von Dugin bei Amazon in Englisch geladen. Das Buch ist furchtbarer (oder so furchtbar) wie angenommen: Esoterischer Quatsch mit Erd- und Wasserkräften, gepaart mit Raumphantasien a la Volk ohne Raum. Es wäre skurril, wenn es nicht so gefährlich wäre. Völliges Unverständnis darüber, dass Teile der Linken diesen Quark auch noch in abgespeckter Form verbreiten.

Geräusche, die es in Hamburg nicht gibt: Glockenläuten.
Geräusche, die es in Trier nicht gibt: Das Bremsen der U-Bahn

Dürre-Gang

Beschlossen, das 9-Euro-Ticket für einige After-Work-Wanderungen zu nutzen. In der Bude hocken und Bücher lesen kann ich auch im Winter. Nach den langen Phasen des Homeoffice mag ich auch nicht allzu viel zu Hause sein. Ich starte mit der Eifel-Strecke, die nach der Flut bis Kyllburg für den Zug wieder befahrbar ist. Als ich in Daufenbach aussteige, sagen mir zwei ansässige Hippies, dass die Fußgängerbrücke nach Kordel noch nicht wiederhergestellt sei, ich könne aber über die Eisenbahnbrücke laufen, sie würden das auch immer machen. Dafür bin ich zu feige und fahre eine Station zurück und laufe dann von Kordel an der Mariengrotte vorbei Richtung Butzenbachtal. Als ich dort ankomme wird es schon dunkel und ich setze mich nur noch 15 Minuten auf eine Bank, lausche der Stille und blicke auf ein Feld von drüsigem Springkraut, das hier wie überall vor sich hin wuchert.

Am nächsten Tag von Pfalzel an der Mosel Richtung Trier. Die Route ist nicht gut gewählt, weil um diese Tageszeit so gut wie schattenlos. Ich bin erstaunt wie viel Kraft die Sonne um 18 Uhr noch hat. Ich muss an einzelnen schattigen Plätzen, die ich auftreiben kann, jeweils pausieren. Ich habe nur einen halben Liter Wasser und keine Kopfbedeckung. Einen Teil des Wassers verteile ich auf Arme und Hals, wenigstens etwas Verdunstungskälte. Ein junger Mann läuft in etwas Abstand vor mir, ansonsten nur Radfahrer, die den Fahrtwind genießen. Ich teste das erste Mal eine Wander-App: Outdooractive. Gefällt mir ganz gut.

Am Abend mit K. über die Eindrücke der Dürre geschrieben. Weiß gar nicht wie man mit anderen darüber reden soll, damit es nicht nur anekdotisch ist, schreibt er.

Die Wälder in der Eifel sind streckenweise sehr angegriffen. Der Rhein bei Koblenz ggf. nicht mehr befahrbar. Die Winzer sagen, wenn es im August keinen Regen gibt, dann ist die Ernte für dieses Jahr hin. Der Baum auf meinen Straßenbeet hat braune Blätter. Seit Wochen brennt es täglich um Trier, die Feuerwehren leisten immenses. Ich halte mich daran fest, dass es nächstes Jahr besser sein wird. Was sollte ich auch sonst machen? Wer kann schon fassen, dass wir uns tatsächlich selbst beim Verdunsten zusehen? Und: Nach 300.000 Jahren Mensch lande _ausgerechnet_ich_ in dem Aussterbens-Zeitspalt.

Am Schreibtisch: Die Zoom-Lizenz gekündigt. Überlegungen,, was gespart werden kann, um die Energiepresierhöhung im Winter abzufangen. Ich war nie gut im Umgang mit Geld, hatte noch nie einen Überblick. Habe das Konto allerdings auch noch nie überzogen. Andere haben aufwendige Aufstellungen.

Zwischendurch das Attentat auf Rushdie. Die Statanischen Verse aufs Kindle geladen, anstrengend zu lesen, aber auch unterhaltsam. Niemand Offizielles kritisiert den Iran, vielleicht möchte man noch Geschäfte mache. Fast zeitgleich ein völlig merkbefreites Meinungsstück in der TAZ bei der die Autorin allen ernstes behauptetet, der Prostest von Iranerinnen gegen den Hijab sei eigentlich nur Ausdruck westlicher Ideologien. Dieses Framing muss man erst einmal hinbekommen, angesichts der Tatsache, dass die Aktivistinnen ihre Unversehrtheit aufs Spiel setzen und natürlich im Knast landen können.

Sonntag dann von Kasel nach Tarforst. Das Ruwertal ist kälter und feuchter als der Rest der Gegend und somit noch hinreichend grün.

Auf der anderen Seite auf der Anhöhe ein wunderbarer Blick über Tarforst. Ruhe auch, das Leben hält die Klappe. Hier allerdings wieder verstärkte Trockenheit. Ich komme nicht damit klar, dass ganze Bäume vertrocknen und es sind nicht einmal junge.

Zu Hause dann Fotos sortiert. Schon 2593 dieses Jahr. Auch hierbei fällt mir auf, wie warm es schon im Januar war, ich habe gegen Ende schon die ersten Blumen raus gesetzt. Und das waren keine Krokusse.

Sommerkämpfe

Im Kampf mit der Trockenheit Samen für Natternkopf bestellt und ein Buch mit dem passenden Titel Garten ohne Gießen. In Wahrheit steckt dahinter die heimliche Hoffnung, dass, wenn ich das Beet nächstes Jahr wüstentauglich mache, der Sommer verregnet wird.

Erstmals Bekanntschaft mit Brennhaaren einer Raupe gemacht, der Ausschlag am Oberschenke sieht interessant aus. Für den Eichelprozessspinner ist es eigentlich zu spät, es könnte ein Widderchen gewesen sein. Der daraus entstehende Schmetterling ist wunderschön, also vergebe ich.

(Edit: Rausgefunden, dass die Raupen des Eichelprozessionsspinners doch bis Juli unterwegs sein können).

Foto: Ivar Leidus, CCBYSA 4.0

Samstag.

Noch vor dem Frühstück über „Schönheit“ nachgedacht. Die Menschen sind zu dick, zu dünn, zu größ, zu klein, zu alt und mittlerweile alle in der Ich-mag-mich-so-wie-ich-bin-Haltung. Was mich daran irritiert, ist die tatsächliche Fixierung auf die Körperlichkeit und nicht auf die Handlungen und Haltungen, die damit verbunden sind. Sich schminken, zum Friseur gehen, sich zurechtmachen. Die auch gar nicht zwangsweise auf einen anderen ausgerichtet sein müssen, sondern eine Form sind, sich selbst Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe nicht immer Lust dazu, würde sie aber nicht missen wollen. Ich schaue auch gerne Menschen in alten Filmen oder Fotografien an, die gut gekleidet sind. Sie nehmen sich und die Öffentlichkeit ernst.

Diese Woche herausgefunden, dass ich zu den oberen 10% der Einkommensverteilung gehöre. Dabei habe ich nicht einmal etwas „sinnvolles“ studiert. Bisschen schlechtes Gewissen dabei. So viele wurschteln sich jetzt durch, von denen ich denke, dass sie viel begabter sind als ich. Erinnerungen an das Gepräch mit D. im Frühjahr, über die intellektuellen Bekannten, die sie jetzt komisch anguckten, weil sie als Kindergärtnerin arbeitet.

Morgen Mitgliederversammlung von Verdi. Ich war noch nie auf einer Gewerkschaftsversammlung, auch lange überhaupt nicht in der Gewerkschaft, weil mir das staubig und antiquiert vorkam. In diesen Zeiten nun mehr als glücklich über die Entscheidung- Man wird es noch brauchen können. Auch mit der eigenen Personalratsarbeit zufrieden. 13 Höhergruppierungen dieses Jahr durchgesetzt. Das ist gut.

Die Bäckersfrau beschwert sich, dass das Straßenbeet qua Trockenheit gar nicht so bunt ist, wie in den letzten Jahren. Die Setzlinge entwickeln sich im Gegensatz zum Balkon auch kaum, nur kümmerliche Mini-Petunien, Mini-Zinnien, Mini-Astern. So fahre ich ins Gartencenter und besorge Sonnenhut, den mit der Dienstag hoffentlich nicht wegbrennen wird.

Im Juli

Listen erstellen. Was man alles einpacken wird. Welches Kleid man an welchen Abend tragen wird. Planen ist das Beste. Ich belohne mich. Belohne mich, den ganzen Mist durchgehalten zu haben. Mit einem Kindle. Einem mit fliederfarbener Lederhülle.

Du magst ja all dieses Jungszeug. Möglichst nüchtern.

Ein Foto von vor 4 Jahren. Das Übungsbuch für arabische Kalligraphie. Wie komisch zielgerichtet alles geworden ist. Wie wenig ich jetzt Wissen erwerbe, rein um des Wissens Willen. Die frohe, neugierige Haltung, kann ich nicht wiederfinden. Das Italienisch, das ich jetzt lerne, könnte es sein. Doch geht es da mehr darum, bei einer lustigen Truppe zu sein. Ich hätte es ansonsten schon aufgegeben. Die Sprache ist auch nicht besonders schön, wenn man es mit Arabisch vergleicht.

Ich frage mich nur, warum das wichtig gewesen wäre, dass man irgendwie gleich ist, als ginge es um eine Organtransplantation. Ich weiß ja, dass diese Gedanken nutzlos sind, ich werde mich bald von ihnen verabschieden. Ich bin bloß nicht so schnell.

Es macht nichts, dass Lindner den Personenschutz für seine Hochzeit aus der Staatskasse nimmt. Seit Trump und Johnson ist Nassforsches etwas, das geadelt wurde. Es muss nichts mehr verborgen werden. Man demonstriert offen, dass es keine Grenzen gibt.

Immer noch keine abschließende Meinung zur Transgender-Debatte, vor lauter Gebrülle kommt man allerdings auch wenig dazu, einen Gedanken zu fassen. Was ich gerne lesen würde: Die Gedanken hinter den felsenfesten Überzeugungen, die sich alle gegenseitig ins Ohr megaphonieren. Recherchieren. Rumlesen. Sich doch entscheiden, da weg zu bleiben. Viel zu oft wieder die Entscheidung, weg zu bleiben. Auch das Gefühl, sich argumentiv nicht durchsetzen zu können. War schon in der anarchistischen Jugendgruppe in den 8oern so. In der Eigenbeobachtung: die seltsame Differenz, so handfest und geradeaus in den menschlichen Beziehungen und Unternehmungen, so unsicherer in den Debatten und allem Intellektuellem.

Du trägst etwas, aber ich kann nicht mit anfassen.

Ich habe zwei schöne, große Wassergläser, die ich neu gekauft habe, weil ich in irgendwas süßen Couscous und den Joghurt kippen musste, um A. einen Nachtisch zu servieren. Mit zwei goldenen Blättern auf jedem Glas. Ich schaffe mit ihnen etwas, das ich bis jetzt nie geschafft habe: Viel Leitungswasser trinken. Es schmeckt plötzlich, was objektiv natürlich Quatsch ist.

Seit langer Zeit zwei Nächte mehr als neun Stunden Schlaf. Wie viel das ausmacht. Seit 15 Jahren jetzt schon diese Residualsymptome. Letztens mal wieder mit einer Schlaftrainings-App versucht, da was zu verbessern. Mit mäßigem´Érfolg. Trotzdem den Traum nicht aufgeben, irgendwann wieder dauerhaft ausgeschlafen zu sein. Medikamente haben ein paar Jahre geholfen, aber ich will keine Medikamente mehr und meine Leber auch nicht. Und das Wesentliche funktioniert ja auch ohne,

Eiseskalte Höflichkeiten. Die Grenzen des anderen sind die Grenzen des anderen.

Im Kino Corsage gesehen. Ich mochte die ästhetischen Bilder, die Verschränkung zeitgenössischer Elemente mit historischen, den Tatbestand, Sissi nicht als frisches, dralles Mädel zu zeigen und die Filmmusik. Am Ende bleibt unklar, ob sie mit dem Sprung ins Wasser entkommt oder Selbstmord begeht (was sie mehrfach versuchte), aber als Rettungsschwimmerin würde ich sagen: Diesen Sprung überlebt man nicht. Was aber Filmmenschen vermutlich egal ist qua künstlerischer Freiheit. Was für ein nerviges Fazit auch: Frau über 40 muss sich umbringen, da sie mit dem Älterwerden nicht klar kommt. Ja nee, is klar.

Ist mir egal, ob ich irre wirke. Wenn sie was zu motzen haben, laufen sie ja auch alle auf, ansonsten halt eher nicht.

The Frankfurt garden gnome

I was invited to break the fast with a Syrian friend. In Frankfurt I realize what radius is possible when you’re stuck here at the end of the world. Frankfurt and Cologne are easily doable for friendships, everything that is further away must be old friendships where the frequency no longer plays a role. We haven’t seen each other since the pandemic, but her life is going well, she now works in a big German bank now.

I used the morning to visit all the shops that aren’t in Trier. I bought a bag, t-shirts, swiss chocolate, massage oil and a jacket. A little off I bought my first garden gnome, now I’m really German.

Easter Sunday I walked a longer distance along the Main. In the city I got a city tour and learned about Maria Sibylla Merian who was a 17th century naturalist and scientific illustrator. Unusually for that time, she traveled to Suriname with her daughter to draw plants there.

We passed a place called Nice. The Nice owes its name to its mild microclimate, which is due to its southern exposure, sheltered from the wind, the favorable sunshine and the heat storage of the river. As a result, numerous plants of the Mediterranean flora thrive here, palms for example.

I also spent some time learning Italian and reading on the internet.. Catatonique shared a lovely text about getting older. It struck me when someone said he wouldn’t look for any platform other than Twitter anymore, that I’m less interested in beginnings, especially not all the time. It used to be different. I used to be basically made up of beginnings.

At home on the balcony there are now blackbirds and pigeons, recently also a crow, which still shyly turns away when I sit on it. I’m curious if it will get used to me. Avoiding eye contact seems important to me, for now. The birds usually come in the morning, just after sunrise. The wild bees have accepted the insect hotel well.