Samstag.

Noch vor dem Frühstück über „Schönheit“ nachgedacht. Die Menschen sind zu dick, zu dünn, zu größ, zu klein, zu alt und mittlerweile alle in der Ich-mag-mich-so-wie-ich-bin-Haltung. Was mich daran irritiert, ist die tatsächliche Fixierung auf die Körperlichkeit und nicht auf die Handlungen und Haltungen, die damit verbunden sind. Sich schminken, zum Friseur gehen, sich zurechtmachen. Die auch gar nicht zwangsweise auf einen anderen ausgerichtet sein müssen, sondern eine Form sind, sich selbst Aufmerksamkeit zu schenken. Ich habe nicht immer Lust dazu, würde sie aber nicht missen wollen. Ich schaue auch gerne Menschen in alten Filmen oder Fotografien an, die gut gekleidet sind. Sie nehmen sich und die Öffentlichkeit ernst.

Diese Woche herausgefunden, dass ich zu den oberen 10% der Einkommensverteilung gehöre. Dabei habe ich nicht einmal etwas „sinnvolles“ studiert. Bisschen schlechtes Gewissen dabei. So viele wurschteln sich jetzt durch, von denen ich denke, dass sie viel begabter sind als ich. Erinnerungen an das Gepräch mit D. im Frühjahr, über die intellektuellen Bekannten, die sie jetzt komisch anguckten, weil sie als Kindergärtnerin arbeitet.

Morgen Mitgliederversammlung von Verdi. Ich war noch nie auf einer Gewerkschaftsversammlung, auch lange überhaupt nicht in der Gewerkschaft, weil mir das staubig und antiquiert vorkam. In diesen Zeiten nun mehr als glücklich über die Entscheidung- Man wird es noch brauchen können. Auch mit der eigenen Personalratsarbeit zufrieden. 13 Höhergruppierungen dieses Jahr durchgesetzt. Das ist gut.

Die Bäckersfrau beschwert sich, dass das Straßenbeet qua Trockenheit gar nicht so bunt ist, wie in den letzten Jahren. Die Setzlinge entwickeln sich im Gegensatz zum Balkon auch kaum, nur kümmerliche Mini-Petunien, Mini-Zinnien, Mini-Astern. So fahre ich ins Gartencenter und besorge Sonnenhut, den mit der Dienstag hoffentlich nicht wegbrennen wird.

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